Aufstieg durch Weiterbildung

- Interview aus „Fit durch Fortbildung“, geführt von Karsten Lamprecht, Volkshochschule Nagold -

Als gelernte Industriekauffrau arbeitet Andrea Schuh seit 10 Jahren in einem Papiergroßhandel in Nagold. Ihre bisherigen Aufgaben dort lagen im Verkauf. Seit kurzem ist sie die Buchhalterin. Beide Tätigkeiten sind sehr unterschiedlich, insofern überrascht der Wechsel.

Frau Schuh, wie kam es zu diesem Wechsel?

Buchhalterisch war ich schon einmal in der frühen Zeit meines Berufslebens tätig. Das hat mir damals wirklich Spaß gemacht. Als sich in meinem jetzigen Betrieb abzeichnete, dass die Buchhaltung bald neu besetzt werden muss, habe ich damit wieder geliebäugelt. Die bisherige Stelleninhaberin ging nach 40 Jahren in den Ruhestand.

Aber waren Sie da, was die Fachkenntnisse betrifft, überhaupt up-to-date?

Genau das war das Problem. Also habe ich mir gesagt, Du musst diese Lücke schließen und das am besten mit einer anerkannten Weiterbildung. Ich habe mich erkundigt, was es so gibt auf diesem Gebiet, und mich dann für das Xpert Business System der Volkshochschulen entschieden.

Und da haben Sie dann alle Module absolviert?

Nein, das wäre in dieser Zeitspanne zu viel gewesen. Aber die Module 1 bis 3, die zur Fachkraft für Finanzbuchführung führen, habe ich gemacht. Und danach das Bilanzierungsmodul. Als nächstes nehme ich mir die Kosten- und Leistungsrechnung vor.

Das ist bemerkenswert, denn inzwischen sind Sie ja die Betriebsbuchhalterin, haben Ihr Ziel erreicht und machen trotzdem mit der Weiterbildung weiter. Können Sie diese zusätzlichen Kenntnisse im Beruf verwerten?

Im Moment nicht, aber das kann sich ja auch mal ändern. Außerdem macht es mir schlichtweg Spaß, die Kurse zu besuchen, und ein gewisser sportlicher Ehrgeiz ist auch mit dabei.

Können Sie die Kenntnisse eigentlich alle im Berufsalltag anwenden? Manchmal dient Weiterbildung ja auch nur dazu, Dinge bescheinigt zu bekommen, die man ohnehin schon weiß.

Nein, das ist bei mir nicht so. Ohne die Lehrgänge wäre ich dieser neuen Aufgabe nicht gewachsen. Immerhin laufen hier sieben Firmen zusammen, teilweise mit Standorten im Ausland. Das buchhalterisch zu managen erfordert viel Knowhow und die Kurse haben mir genau dieses Praxiswissen vermittelt.

Wie war eigentlich die Arbeitsbelastung beim Lernen für diese Lehrgänge? Die wurden ja alle mit einer Prüfung abgeschlossen. Und Sie sind voll berufstätig.

Ja, das war schon eine gewisse Belastung. Man bekam Hausaufgaben, die habe ich bis zur nächsten Woche bearbeiten müssen und dann musste man auf die Prüfungen lernen.

Wie viel Zeitaufwand war das konkret? Ein Samstagnachmittag pro Woche?

Oh nein, das war mehr. Da musste auch mancher Abend unter der Woche dran glauben. Ich wollte ja auch mit guten Noten abschließen. Zeitweise hat mich das schon sehr gestresst, vor allem vor Weihnachten, wenn hier im Betrieb Hochkonjunktur herrscht und wir von morgens halb acht bis abends um sechs Uhr voll durchschaffen. Danach musste ich gleich in den Lehrgang hetzen, der immer um halb sieben begonnen hat. Das war schon hart und trotzdem hat es Spaß gemacht.

Was war denn daran so positiv?

Zum einen die wirklich vorzügliche Dozentin, die wir hatten und die den Stoff sehr anschaulich rüber bringt und dann aber auch die Freude darüber, dass man in meinem Alter noch so etwas stemmen kann. Immerhin bin ich schon über 50.

Und beweisen damit, dass es für Weiterbildung nie zu spät ist. Mit welchem Modul werden Sie jetzt im Herbst weitermachen, Frau Schuh?

Mit Lohn und Gehalt.

Dann sind Sie auf dem besten Weg zum XB-Manager.

Das wäre die Krönung, aber der Weg mit den 7 Modulen ist ein ziemlich weiter. Mal schauen.

Wir drücken Ihnen jedenfalls die Daumen, dass es weiterhin für Sie so gut voran geht, Frau Schuh, und danken Ihnen herzlich, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben.